Institutionalisierte Digitalisierung

Ich war auf einem Kurs für Gewerbetreibende in Deutschland – ich bin eigentlich schon lange selbstständig und habe auch schon Gewerbe gestartet, nur noch nie wirklich hier zu Hause.

Aus einem glücklichen Zufall war der Kursleiter jemand, der sich aus Geschäftsgründen für das Thema digitale Transformation interessiert.

Ich habe in London auf dem Gebiet der digitalen Kommunikation gearbeitet, also war es interessant, wie sie hier an Unternehmen vermittelt wird. In Deutschland, wo alles so schön durchorganisiert ist, sollte es doch ein wunderbarer Prozess sein. Gleichzeitig sehe ich keine Organisationen, in der jemand, egal auf welcher Ebene, wirklich mit der Außenwelt digital kommuniziert. Also funktioniert es vielleicht doch nicht?

Jetzt habe ich einen Einblick in diese Welt, und der ist es wert, festgehalten zu werden.

Es gibt ein Förderprogramm, um kleinen und mittelständischen Unternehmen eine moderne Personalpolitik zu ermöglichen. Es heißt Unternehmenswert Mensch und zielt darauf hin, dass Angestellte intelligenter geführt werden, mehr Unterschiede zugelassen werden, die Information besser fließt, und sich damit Menschlichkeit im Arbeitsleben ausbreitet. Das ist schon einmal revolutionär, besonders in dieser Gegend, wo Leute noch sehr oft einfach verheizt werden – es kommen ja so leicht immer neue Arbeitskräfte.

Für dieses Programm können die Unternehmen Fördermittel beantragen. So halten sich ihre Kosten in Grenzen, und Berater und Beraterinnen werden trotzdem gut bezahlt.

UW Mensch ist dieses Jahr um das Programm “Unternehmenswert Mensch Plus” erweitert worden. Hier geht es dann digitale Transformation und auch digitale Kommunikation. Mein Kursleiter hatte BWL studiert und war sehr gut, hatte jedoch keine Erfahrung im digitalen Bereich oder mit digitaler Kommunikation. Er hatte sich als Prozessberater für UW Mensch Plus zertifizieren lassen.

Dieses Programm sieht vor, dass sich Menschen, die zusammen arbeiten, Videos anschauen und danach in einem Raum sitzen und selbst entscheiden, wass sie dann “Digitales” machen wollen.

Ich könnte jetzt noch über meine erste Reaktion erzählen, aber ich weiß ja auch nicht alles, und aus dem Bauch heraus trifft man auch nicht immer die richtigen Entscheidungen.

Was ich mit Sicherheit weiß: Digitale Transformation heißt auch, sich von traditionellen, zentralisierten, von Hierarchie geprägten Kommunikationsmethoden abzuwenden. Eine Organisation, die Menschen auf eine erfolgreiche Zukunft vorbereiten will, sollte auch vermitteln, wie man selbst etwas mehr Mensch ist, von sich mehr mitteilt, sich mit anderen anders verbindet, als das im traditionellen deutschen Arbeitsleben typisch war. Die Organisation hinter diesem Programm, INQA, kommuniziert digital sehr traditionell und verbindet sich nicht mit Menschen.

Kann man die Zukunft der Arbeit vermitteln, wenn man sie selbst nicht leidenschaftlich lebt?

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