Die wahren Kosten des Influencer-Marketings

Gestern hatte ich Termin mit einem potentiellen Kollegen hier in Rostock, der tatsächlich professionell Social Media macht. Dass das eigentlich ein großer Schritt ist, fällt mir erst heute ein.

Es war auf jeden Fall ein gutes Gespräch. Wir sind uns in vielem einig. Die Entwicklung geht auch hier zu internen, dezentralen Kommunikationsplattformen . Leider scheint es so, als werde lieber eine neue Plattform eingeführt, als Mitarbeiter in schon existierenden Kommunikationsmöglichkeiten geschult.

Was ja genau mein Thema ist. Man denkt oft, die Probleme wären groß und spezifisch für diese Organisation oder diesen Ort – aber eigentlich ist die Problemstellung überall die gleiche. Erwachsene haben Probleme damit, auf dezentrale Weise zu kommunizieren, trotz aller Bemühungen ihrer Organisation, ihnen das zu ermöglichen.

Warum ist das bloß so?

Dezentrale Kommunikation, ein zentraler Baustein der digitalen Transformation, bedeutet, dass wir uns anders mitteilen. Transparent und offen über unsere Arbeit reden. Selbstbewusst das mit anderen teilen, was wirklich los ist, damit man zusammen an Problemen arbeiten und Aufgaben lösen kann. Das Leben und die Arbeit wird für uns alle nicht weniger komplex – und Komplexität heißt, dass die Hierarchie, an die wir gewöhnt sind, nicht mehr funktionieren kann. Der Chef oder die Chefin wissen einfach nicht alles besser. Sie brauchen das Wissen ihrer Mitarbeiter.

Warum also sind es in Organisationen nur die Leute, die schon mit Kommunikation arbeiten, die auch diese neuen Kommunikationswerkzeuge benutzen?

Wollen die Älteren nichts damit zu tun haben, weil es für sie nicht relevant erscheint? Weil in den Konversationen, die wir über neue Arten von Kommunikation führen, die Angst, es falsch zu machen, Vorrang hat? Sobald man Medienwissen oder -Kompetenz sucht, es rein präventive Informationen gibt? Und es so am Erwachsenen erscheint, sich davon fernzuhalten? Ist es, weil wir bei Online an Marketing denken und sofort an sinnentleerte Inhalte, die nur Aufmerksamkeit erhaschen sollen?

Ist es, weil sobald wir Social Media hören, wir schon so viele Meinungen haben, weil selbst in der Lokalzeitung, die einzige Kolumne zu dem Thema von der örtlichen Influencerin geprägt ist? (Und natürlich, weil wegen dem amerikanischen Präsidenten jetzt auch wirklich alle von Twitter gehört haben.)

Influencer sind aus der Social Media-Szene nicht wegzudenken. Und Skandale verkaufen sich immer besser in den Medien. Das Problem ist, je lauter Influencer werden, desto mehr verschwinden die produktiven, erwachsenen Stimmen. Durch jedes von Substanz befreite, hippe Posting verlieren wir wieder ein paar Dutzend Erwachsene, weil das für sie nicht relevant ist. Und es wird schwieriger, sie davon zu überzeugen, dass man auch als Erwachsene/r digital kommunizieren kann und sollte.

Es ist wirklich nicht gut, wenn wir als Erwachsene so gar keine Vorbilder haben, die Social Media produktiv nutzen.

Ich denke immer noch, dass die einfachste und direkteste Lernerfahrung daraus entstehen könnte, mit einem Event Hashtag anzufangen und so die produktive Seite von Online-Kommunikation zu demonstrieren. Am besten sogar bei einer Veranstaltung, die nichts mit Digitalem zu tun hat.

Noch überraschender für Menschen, die jetzt über Social Media lernen, ist, dass das Blogging ja auch eigentlich gute Kommunikation für Erwachsene ist. Hier ist ein guter Blog Post darüber von einem Erwachsenen. 

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