Realistische Vorschläge

Ich habe mal ein bisschen über ein Jahr in Nigeria gelebt. Da war ich jeden Tag unterwegs, habe Verbindungen geknüpft und war bald bekannt wie ein bunter Hund. Meine Pläne waren aber kompliziert und idealistisch. Mir wurde oft gesagt: Mach es dir doch einfach. Wenn du irgend etwas Einfaches verkaufen würdest, würdest du glänzende Geschäfte machen.

Jetzt bin ich hier, in meiner alten Heimatstadt, und Verbindungen zu knüpfen ist viel schwieriger. Und selbst wenn man mal jemand getroffen und ein gutes Gespräch gehabt hat, fühlt man sich immer noch nicht verbunden, weil niemand online unterwegs ist.

Jetzt bin ich also dabei, meine Pläne weniger kompliziert zu machen. Idealistisch sind sie nur, wenn man den Nutzen nicht gut genug erklären kann. Ich habe mir Zeit genommen zuzuhören und zu beobachten, also weiß ich jetzt einigermaßen, wo Bedarf besteht.

  • Eine Organisation, die sich mit Innovation beschäftigt, die Geeks sogar im Hause hat, und wo sich die Nicht-Geeks trotzdem nicht online vernetzen oder neue Technologie benutzen, um ihre Arbeit zu tun
  • Eine Organisation, die schon eine interne Plattform zum Informationsaustausch hat, die aber noch eine neue einführt, weil die alte nur von Mitarbeitern genutzt wird, die sich sowieso schon mit Kommunikation beschäftigen
  • Ein Chef, der sich in der Zeitung beklagt, dass man nicht genug zusammenarbeitet
  • Eine Konferenz, die Unternehmen und Organisationen vernetzen soll, und wo ein Hashtag verboten ist, Anweisung von ganz oben
  • Eine Arbeitsgruppe in der Digitalisierung, die sich viermal im Jahr trifft und sonst nicht zusammenarbeitet

Diese Beispiele zeigen, dass Zusammenarbeit durch Technologie mehr und für alle normalisiert werden müsste. In den Organisationen und in ihrem weiteren Kreis von Interessenten (ihrer “Community”) gibt es immer Menschen, die gute Vorbilder für neue Arten der Zusammenarbeit sein könnten. Die Chefs sehen dies aber nicht, und so wird in andere Lösungen investiert.

Weil die Chefs aber selbst keine Erfahrung haben, treffen sie oft die falschen Entscheidungen.

Die Geeks, die in diesen Organisationen und in ihrem Interessentenkreis aktiv sind, sind so daran gewöhnt, dass man ihnen nicht zuhört, dass sie es schon gar nicht mehr probieren. Ich habe aber erlebt, dass Menschen mit relevantem Wissen, die sich vernetzen, ihre Organisationen und die Welt verändern können. Das ist für mich die Normalität und damit bin ich hier wirklich in einer einzigartigen Position.

Was ist also mein Pitch?

Ihre Aufgabe ist es, Menschen dazu zu bringen, sich zu vernetzen. Gute Lösungen für dieses Problems sind sowohl in Ihrer Organisation schon zu einem gewissen Grad entwickelt, und außerhalb Ihrer Organisation arbeiten auch alle daran.

Zwei Punkte:

  1. Es beginnt mit Ihnen. Kann ich Ihnen zeigen, wie Sie ein gutes Vorbild sein können, indem Sie anfangen, persönlich online zu kommunizieren?
  2. Kann ich vorschlagen, sich mit diesen Lösungen zu verbinden und von ihnen zu lernen? 

Ein gutes Vorbild ist immer noch der Government Digital Service. Ich war Teil dieser Szene, ich weiß, wie sich diese Organisation aus der Zusammenarbeit von Geeks mit einem Interesse an besserer Technologie im öffentlichen Leben entwickelt hat.

Es ist also möglich.

(Die Illustration zu diesem Post ist ein einfacher Screenshot – wenn man den Government Digital Service, wo ich ein Teil des Netzwerkes war, online besucht, landet man nicht auf einer statischen Homepage sondern auf einem Blog. Hier wird nicht nur von gemachter Arbeit erzählt, sondern auch proaktiv an Problemen gearbeitet.)

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1 Response

  1. Ingo says:

    Wenn das nur nicht so wahr wäre mit den Geeks, die daran gewöhnt sind, nicht gehört zu werden… *seufz*

    Es ist ja leider haeufig so, dass gerade auch im Beruf viele Entscheidungstraeger gar nicht so recht auf ihre Experten/Geeks hoeren. Gute Entscheidungstraeger machen das natuerlich, aber es gibt da halt auch die weniger guten Entscheidungstraeger, die einfach die Vorgaben von oben nach unten hin durchdruecken wollen, weil da im Zweifel auch ihre Jahresgratifikation von abhaengt.
    So, was macht dann ein Geek, wenn er das 3x, 4x, x-mal durch hat? Richtig! Er spart sich die Muehe und arrangiert sich im schlimmsten Fall mit der Situation oder sucht sich im besseren Fall ein neues Betaetigungsfeld.

    YMMV

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