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Im August 2010 bekam ich eine Einladung zur Workplace Change Organisation, einer Gruppe, die über die Zukunft der Arbeit und damit auch die veränderten Anforderungen an Arbeitsplätze spricht.

Unter anderem stand in der Nachricht

Was meinte der Schreiber damit? Ein paar Projekte, an denen ich zu dem Zeitpunkt arbeitete, waren Haringey Libraries, Worksnug, eine Community für digitale Nomaden, Akvo, einer Not-for-Profit, die neue Technologie in den Charity-Sektor bringt. Und auch 2010 habe ich das Localgovcamp London organisiert, eine Bewegung, aus der sich das UKgovcamp entwickelt hat, was entscheidend zur Bildung des Government Digital Service beigetragen hat.

Allen meinen verschiedenen Projekten ist gemeinsam, dass sie durch digitale Kommunikation erst möglich werden.

Vorher hatte ich auch breite Interessen, die waren aber wenig für meine Arbeit relevant. Ich war schon seit 1995 online unterwegs, in Bulletin Board Services, Chatrooms und auf den ersten Instant Messaging clients. Meine ersten Bekanntschaften nach dem Umzug nach UK habe ich durch eine Online Community geknüpft. Professionell wurde das nie wirklich relevant – bis 2005, wo wir MSN Messenger in den Work Flow für Videokonferenzen eingebaut haben. Und dann, ab 2008, hat man das alles Social Media genannt und meine Erfahrungen damit wurden relevant.

Jetzt bin ich seit anderthalb Jahren wieder zurück in meiner alten Heimat. Ich habe natürlich nach einer Möglichkeit gesucht, meine Erfahrungen hier einzusetzen. Das war interessant, denn sobald man über digitale Kompetenzen, die man für die digitale Zusammenarbeit braucht – also die Fähigkeit, online dabeizusein -, redet, finden die meisten, dass sie darüber gut Bescheid wissen, und das alles ablehnen.

Die meisten Konversationen, wenn es um digitale Kompetenzen geht, sind von Angst und Negativität geprägt. Veranstaltungen, sogar mit Networking im Namen, haben keine Hashtags, und wenn sie welche haben, werden sie nicht genutzt. Digital Natives werden auf Konferenzen über die Zukunft befragt und Erwachsene fühlen sich außen vor. Influencer haben regelmäßige Kolumnen in der OZ und Erwachsene fühlen wieder, dass das alles für sie nicht relevant ist. Ein Startup-Gründer sagt mir, dass man sich ja nicht online vernetzen braucht, weil man sich sowieso schon kennt. Und natürlich hat die breite Masse vor Trump nichts von Twitter gehört. Organsationen machen Social Media so: Ein Foto kommt auf Facebook, wo Männer sich die Hände geben, ein oder zwei Likes, und das wars.

Der logische Output nach diesem Input ist Ablehnung. Ist gefährlich und oberflächlich und nicht relevant für mich, wir lassen mal die jungen Leute machen, basta.

Und dann haben wir solche Situationen wie diese zwei Beispiele aus Rostock: vor dem Hanse Kongress dieses Jahr, als ich einen Hashtag vorschlug und gesagt bekam: Dürfen wir nicht, Anweisung von ganz oben. (Es wäre ein offensichtlicher Hashtag gewesen, und einzelne Teilnehmer haben ihn ausprobiert und meinen Tweet darüber gefunden. Sieht für keinen gut aus, habe ich also gelöscht.) Und in einer großen, landesweiten Organisation, deren Rolle es ist, Gewerbe zu unterstützen (ich nenne mal keine Namen). Man hat eigentlich schon eine interne Plattform, auf der sich intern ausgetauscht werden kann, will aber noch eine neue einführen, weil es modern ist und die erste nicht organisationsweit genutzt wird, obwohl sie für alle offen ist. Und selbst bei dieser zweiten Plattform hat sich noch keiner die Frage gestellt, wie ihr Nutzen denn den Mitarbeitern erklärt werden soll.

Hier sind also meine zwei Weisheiten, die erklären, warum ich immer noch ständig über dieses Thema rede, obwohl es oft nichts bringt, und absolut keine Reichtümer:

  1. Wenn der Chef ganz oben es ablehnt, dann wird es auch nichts.
  2. Wenn wir uns austauschen wollen, kann uns nichts davon abhalten, wenn wir es aber nicht wollen, kann uns keiner dazu bringen.

Wir müssen es also irgendwie schaffen, die Meinung der Chefs zu ändern.

Ich persönlich bin dagegen, von den “Digital Natives” erwarten, alles zu lösen. Einerseits können wir nicht einfach alle über 40 abschreiben! Außerdem ist das, was wir mit Technologie machen, anders, als was junge Leute damit machen. Junge Leute brauchen auch gute Vorbilder, die professionell und produktiv kommunizieren.

Was ich heute also beitragen möchte, ist eine einfache Idee, wie wir Menschen eine positive, erwachsene Erfahrung von digitaler Kommunikation geben können. In ihrer Gruppe von Kollegen, damit “die anderen machen es doch auch nicht” kein Argument mehr ist.

Denn das Lernen in Klassenzimmern hilft dabei nur wenig. Es bringt Menschen auch nicht dazu, eine vorgefertigte Meinung zu ändern, selbst wenn man denn die Zeit und das Geld hätte. Auf der andern Seite bringen Klassenzimmer (oder Workshops, die anders heißen aber oft das gleiche sind) wenig, denn wenn man es will, lernt man diese Dinge eigentlich ganz schnell.

Und dann kann man ganz anders in den Aufbau von Online-Communities investieren. Denn auch dezentrale Kommunikation muss gepflegt werden. Community Manager sind wichtig. Gute Funktionsweisen, die ständig weiterentwickelt werden und Spielregeln, die darauf hin zielen, dass respektvolle (oder sogar herzliche), produktive zwischenmenschliche Beziehungen entstehen. Wenn man sich dann persönlich trifft, kann man auf dem, was man zwischendurch voneinander erfahren hat, aufbauen.

Ja, es wäre viel einfacher, wenn man einfach eine App bauen könnte. Der Knackpunkt bei allen diesen Dingen sind aber Menschen. Menschen, die sich selbstbewusst ausdrücken können, die andere Menschen finden können, um herauszufinden, was sie beschäftigt, damit man zusammen Lösungen finden kann.

Mit solchen Menschen kann man anders zusammenarbeiten.

Und dann – das ist jetzt aber wirklich Utopie -, wenn solche Menschen in genug Organisationen arbeiten, kann man vielleicht sogar ein neuartiges Informationssystem aufbauen, in dem man als Organisation mit seinen Leuten verlässlich kommunizieren kann, und in dem man als Einwohner verlässlich die Informationen bekommen kann, die man braucht. In dem man sich selbständig das holt, was einem wichtig ist. In dem Werbekosten nicht verschwendet werden, um Aufmerksamkeit zu erregen, sondern darin investiert werden, etwas zu schaffen, das für alle funktioniert.

Aber selbst wenn wir ein europäisches System als Alternative zu den zur Zeit gängigen Plattformen schaffen, werden wir immer noch Menschen brauchen, die diese Kompetenzen haben. Deshalb bin ich dafür, sie jetzt, und mit den Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, zu entwickeln.

Hier ist also mein Vorschlag dazu.