Rostocker Plattenbaukultur sichtbar machen

Ich bin in der Rostocker Platte aufgewachsen, war dann ab 1988 weg und wohne jetzt seit 2017 in Schmarl. 

Das lässt sich so leicht schreiben, aber nur, wenn man einen persönlichen Bezug nach Rostock hat, oder zu einer anderen ostdeutschen Stadt mit Plattenbauvierteln in der Peripherie, kann man ungefähr verstehen, was das heißt. Als ich aufgewachsen bin, war es ein ganz normaler Stadtteil. Jetzt ist sind es Problemviertel. 

Teilansicht von einem der drei Reliefs zur Geschichte Rostocks von Reinhard Dietrich, 1980. Professor Baumbach hält ein Modell des Terrassenhochhauses, in dem ich wohne.

Ich weiß, dass in der DDR nicht ohne Liebe gebaut wurde. Sonst hätte Schmarl kein Eichenwäldchen, sonst ständen keine Obstbäume am Weg zur S-Bahn-Station, sonst hätte Inge Jastram keine Giebel gestaltet, sonst wäre da kein Klinker und keine ironische Kunst von Reinhard Dietrich mit dem Architekten Peter Baumbach im Rostocker Stadtzentrum. Sonst wäre der Teepott nicht gerade mit dem Titel “Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland” ausgezeichnet worden. 

Diese Baukultur ist für Viele interessant, nur nicht für die Menschen, die in der Rostocker Platte leben. Es gibt keine Szene, die Veranstaltungen organisiert; keinen Raum im Nordosten, wo man sich über diese Kultur informieren kann. Ich lebe hier und für mich ist es wichtig, eine Konversation über die Identität dieser Viertel anzuregen.

Menschen hier darauf aufmerksam zu machen, dass es vielerorts Interesse an diesen Vierteln gibt, und nicht nur bei Fans der sozialistischen Dystopie. Ich habe selbst erlebt, dass eine veränderte Perspektive durch öffentliche Kunst und Kultur, die Sichtweise auf z. B. Brutalismus und Housing estates der Siebziger in London völlig verändert haben. 

Ich möchte also als ganz einfachen Anstoß leere Schaufenster für Ausstellungen zu diesen Themen nutzen. Das kostet nicht viel, davon kann man auch die Immobilienverwalter überzeugen, denn alles ist besser als Leerstand und verkommende Passagen.

Hier ist ein längerer Post mit mehr praktischen Informationen, aber auch mehr von der Frustration, die mich antreibt.