Anke Holst Service Design Thinking im öffentlichen Dienst
Service Design Thinking im öffentlichen Dienst

Digitale Transformation und soziale Verantwortung

Mal wieder große Worte im Titel, ich weiß. Aber da ja Digitales auf deutsch für mich immer noch ein fremdes Land ist, arbeite ich immer noch ständig daran, meine Gedanken für Menschen verständlich zu machen. Glücklicherweise (falls man an der Situation, Pflege im Lockdown zu leisten, auch mal etwas Gutes finden kann?) habe ich ja alle Zeit der Welt und auch regelmäßige Testmöglichkeiten.

In einem Beitrag über das Gesundheitswesen und seine Grenzen, den ich im Fernsehen so nebenbei aufschnappte und deshalb nicht direkt zitieren kann, fiel die Phrase soziale Verantwortung. Ungefähres Zitat: “Menschen im Gesundheitswesen sind oft aus sozialer Verantwortung da.” Also nicht um Karriere zu machen oder viel Geld zu verdienen. Das ist eigentlich wunderbar, wird aber zum Problem, wenn Grenzen routinemäßig überschritten werden.

Für mich, die den Unterschied sehr deutlich erlebt hat, war es ein gutes Wort. Ich wollte schon viel darüber reden, konnte es aber nicht so klar ausdrücken. Menschen, die Verantwortung übernehmen, nicht weil es ihr Job ist, sondern weil sie es wichtig finden, haben mir in meiner diffusen Aufgabe sehr geholfen. Ich wollte das anerkennen und so deutlich wie möglich sagen und habe das im letzten Arztgespräch auch mal probiert. Bis jetzt hatte ich immer versucht, wie ein verantwortlicher Mensch ein separates Gespräch dafür zu buchen, damit es nicht in die Zeit der eng getakteten Patientengespräche fällt – aber damit hatte ich keinen Erfolg. Also musste es schnell und zackig gehen. Ein wichtiges emotionales Gespräch, schnell und zackig? Ja, viel Glück. Aber ich habe es gemacht, und mich dann auch besser gefühlt. Ich hoffe es hat auch für die andere Seite seine Funktion erfüllt.

Das ist um so wichtiger, als ich ja doch daran arbeite, mal wieder zu arbeiten. Und da ich selbst meine Arbeit aus sozialer Verantwortung mache, ist es wichtig, wenigstens zu versuchen, eine Allianz mit den anderen Menschen, die auch aus sozialer Verantwortung arbeiten, zu schließen.

Was mir sehr fehlt sind Allianzen mit Menschen, die auf der digitalen Seite aus sozialer Verantwortung arbeiten. Das war buchstäblich mein ganzes Umfeld und hier finde ich diese Menschen einfach nicht. Die Frage, wenn ich über fehlende Innovationskultur mit Menschen im IT-Umfeld rede ist: Warum wollen Sie sich daran die Zähne ausbeißen? Man kann doch mit Leuten arbeiten, die offener sind. Oder wenn Gesundheitswesen, dann reine Technik.

Denn wenn man die Menschen, mit denen man spricht, noch auf jeder Ebene vom Warum überzeugen muss, kommt man nie zum Wie. Und wenn das Warum so an Macht und Einfluss gebunden ist und nicht an soziale Verantwortung, wenn das “wir machen das jetzt, weil es gut und richtig ist” einfach nie kommt, hat man ein Problem.

Es erscheint alles völlig hoffnungslos. Aber ich habe so viel Schmerz erlebt, dass es mir meine eigene soziale Verantwortung einfach nicht erlauben wird, davon abzulassen. Ich selbst kann mich davon erholen, das läuft auch sehr gut. Ich sehe das ständige Nachdenken und Forschen über diese Themen nicht als Problem, denn es dient ja einem Zweck – ich forme dadurch auch Gedanken über meine zukünftige Arbeit hier in Rostock. Wie ich mich aufstelle, wie ich über meine Arbeit rede, alles das ist ja noch völlig offen und kann gestaltet werden.

Mit dem öffentlichen Dienst werde ich zu tun haben, wenn auch vielleicht nicht mit dem Gesundheitswesen. Denn um eine Situation zu finden, in der ich dort arbeiten kann, müssten schon sehr viele positive Dinge geschehen und viele Menschen mit sozialer Verantwortung gefunden und verbunden werden. Damit Entscheidungen auch mal “weil es gut und richtig ist” und mit Vertrauen und Liebe getroffen werden.

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