Anke Holst Interkulturelles Training für den Ayurveda-Bereich
Interkulturelles Training für den Ayurveda-Bereich

Briefe aus der Ayurveda-Szene

Ich mag Ayurveda. Trotzdem – weil ich schon vor über dreißig Jahren mein Leben den hinduistisch angehauchten Lehren gewidmet und tiefes Wissen entwickelt habe – stehe ich einigen Entwicklungen im Zusammenhang mit Yoga und Ayurveda in Deutschland kritisch gegenüber.

Ich möchte dafür arbeiten, dass wir alle ein tieferes Verständnis entwickeln. Damit wir, so seltsam das klingt, klar denken und Grenzen setzen können. Denn besonders in diesem Umfeld besteht die Gefahr, dass Probleme, die aufkommen. Immer nur als “du machst es nur nicht richtig, du musst härter an dir arbeiten, härter meditieren” abgefertigt werden.

Wenn wir uns unkritisch absolut allem öffnen, haben wir irgendwann die ganze indische Kultur übernommen, mit seiner absoluten Hierarchie, in der Frauen nichts mehr wert sind.

Ich habe vor dreißig Jahren mal einen Tempel aufgemacht. In einer Gruppe von vier Frauen. Wir sind losgezogen, haben ganz viel Geld gesammelt, ein Haus in Köln gekauft, es umgebaut und jetzt ist es seit dreißig Jahren ein ISKCON (Hare Krishna) Tempel, zur Zeit sogar der einzige innerstädtische Tempel in Deutschland, der in ISKCON-Besitz ist.

Das war ein großes Ding. ISKCON ist extrem frauenfeindlich und Asanga, die Chefin unserer Gruppe (natürlich gab es eine Chefin, muss immer Hierarchie sein und ich war damals 20), machte es einfach. Kein Mann dabei. Die Männer sind dann gekommen und (Originalzitat von einem von ihnen, diesen Sonntag) haben sich ins gemachte Nest gesetzt.

Letzte Woche war ich dann mal wieder da, habe eine Klasse gehört, wo wieder mal gepredigt wurde, dass Frauen schlecht sind, und habe mich gewehrt. Nicht da, nicht mit mir.

Die Bücher von AC Bhaktivedanta, dem Gründer der Hare Krishna-Gemeinschaft, sind nämlich frauenfeindlich. Es gibt eine Studie, in der aufgezeigt wird, dass, wenn über Frauen gesprochen wird – außer über zwei spezifische Frauen aus der indischen Mythologie, Kunti und Draupadi – ist es zu 100 Prozent negativ. Auch sind Frauen laut dieser Lehre “von niederer Geburt”, also wirklich, ganz praktisch, weniger wert als Männer. Wenn man in einem ISKCON-Tempel ist, sieht man das auch praktisch – die Dinge, die während der Tempelrituale vom Altar kommen und unter den Anwesenden herum gereicht werden, so wie Lampen und Blumen, werden erst unter allen Männern herumgereicht, nach Stellung in der Hierarchie, bis zu den, die erst seit gestern neu dabei sind, und dann unter den Frauen. Wieder nach ihrer Stellung in der Hierarchie.

Davon kann man sich jederzeit selbst überzeugen.

Und diese Werte laden wir uns unkritisch nach Deutschland ein? Das wollen wir? Können wir uns vorstellen, wenn es irgendwann eine Partei gibt, die diese Werte vertritt? Dagegen ist das Frauenbild der AfD noch fortschrittlich.

Ayurveda wächst gerade explosionsartig in Deutschland. Diese Entwicklung wird von Frauen getragen. ISKCON ist ein Teil davon, obwohl weder Ayurveda noch Yoga (Asanas) dort je irgendwie Teil des Programms waren. Die Frauenfeindlichkeit ist nur eins der Probleme damit.

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