Anke Holst
Lernt Service Design
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To Share = etwas von sich Preisgeben

Die deutsche Übersetzung für to share, die sich aus irgendeinem Grunde durchgesetzt hat, ist das „Teilen“. Und das, obwohl das ganz klar im Wörterbuch als Entsprechung für „share“ im Sinne von „divide, part, split, partition“ steht.

Das macht es schon mal schwierig, auf deutsch über das „Sharing“ als Kern der modernen Kommunikation zu reden. Das Sharing, wo es sich auf das „sich mitteilen“ bezieht. Das „teilen“, so wie man ein Brot teilt, oder sich ein Auto teilt oder ein Haus.

Dieses Sharing machen wir in der deutschen Kultur nicht so oft. Keiner teilt freiwillig ein Auto, es könnte ja Probleme geben. Und genauso teilt auch keiner freiwillig etwas mit.

Aber digitale Kommunikation kann ohne das „sharing“ nicht funktionieren. Man kann als Führungskraft nicht warten, bis jemand kommt und uns Fragen stellt, selbst wenn man sich immer sehr nett und zugänglich zeigt. Eine Führungskraft muss jetzt das „sharing“ können, oder zumindest daran arbeiten, die Hemmschwelle abzubauen.

Diese Hemmschwelle ist völlig logisch und verständlich und wird nicht von selbst verschwinden. Denn was von dem, was wir kommunizieren, verstanden wird, hängt auch von der Beziehung ab, die wir mit dem Gegenüber haben. Im Berufsleben besteht oft ein Vertrauensdefizit. Also muss man das Vertrauen aufbauen und stärken – theoretisch macht man das auch dadurch, dass man sich menschlich zeigt. Aber wird man dadurch nicht angreifbar?

Man muss Vertrauen vorschießen. Selbst vertrauen, dass man nicht angegriffen wird, wenn man sich vulnerabel zeigt. Nur so kann Vertrauen wachsen – gleichzeitig ist das auch wirklich die einzige Methode, um Vertrauen zu schaffen.

Manchmal erscheint es wie ein Luxusproblem. Aber das ist es nicht. Vieles im Leben einer guten Führungskraft war schon immer emotional. Jetzt reden wir nur anders und offener darüber. Die Transparenz ist anders. Wo die Qualitäten einer Führungskraft früher noch leichter zu verstecken waren, sehen wir sie jetzt offener. Wir als Mitarbeitende haben mehr Macht. Damit muss man natürlich auch erst einmal umgehen können.

Das ist alles ziemlich kompliziert, aber um die Kultur und so die digitale Transformation weiterzubringen, muss man es angehen. Um als ersten Schritt das bewusste und sichere „sich Mitteilen“ zu üben, kann man mit Gleichgesinnten einen sicheren Raum aufmachen. Das geht auf einer beliebigen Plattform oder auf denen, die wir schon einsetzen.

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