Anke Holst sieht Menschliches im Digitalen
sieht Menschliches im Digitalen

About

Seit 1994 arbeite ich kollaborativ online, auf sehr verschiedenen Plattformen, mit sehr verschiedenen Zielen.

Seit 2005 helfe ich Organisationen dabei.

2010 organisierte ich das London Localgovcamp, seitdem war ich Teil des Netzwerks, aus dem der Government Digital Service, NHS Digital, Localgov Digital hervorgegangen sind.

Links:

Ein Artikel im Guardian

Ein Video und noch eins

Ein Artikel aus der örtlichen IHK-Zeitschrift

Wie oben schon erwähnt, bin ich in dieser Kultur zu Hause. Ich habe sie bewusst als mein Arbeitsumfeld gewählt, weil ich 2009 in London auf der Suche war; ich war neu in der Stadt, hatte mich gerade von einem Misserfolg mit einem Startup erholt, ich hatte Erfahrungen mit Onlinecommunities und absolut mehr Wissen von Onlinekommunikation als einige der Berater, die sich für den Social Media Boom an den Start brachten. 

So kam das Projekt mit den Bibliotheken in meinem Londoner Bezirk Haringey zustande. Es war nicht perfekt, aber es lebt. Drei Monate lang bediente ich den Twitteraccount der Bibliotheken selbst, um zu demonstrieren, was meiner Meinung nach eine Bibliothek so alles erzählen könnte, die nächsten zwei Monate tourte ich durch die neun Zweigstellen, um mit den Menschen dort über ihre Arbeit und über Twitter zu reden.

Der Schlüssel war für mich schon damals, Kompetenzen zu vermitteln. Ich sah, dass das Thema Social Media immer wichtiger wurde, aber meine eigene Schlussfolgerung war immer: Das ist alles nicht so kompliziert, es gibt keinen Grund, warum jemand in einer Kommunikationsabteilung oder Werbeagentur über eure Arbeit reden muss, wenn ihr selbst darüber reden könnt. 

Und der richtige Nutzen von neuen Medien entsteht erst, wenn wir direkt Menschen verbinden.

Leider ist das Twittern aus der weit entfernten Kommunikationsabteilung oder der völlig ahnungslosen Werbeagentur dann schnell zur Normalität geworden. So legte ich meinen Fokus von Organisationen hin zu Menschen und ihrer Zusammenarbeit. Das Thema “Work Out Loud” ist auch in der deutschen Industrie bekannt. Nur wenn man über seine Probleme redet, können andere Menschen helfen, etc. Dann schrieb ich noch ein Buch zu den Grundkompetenzen, die man für Social Media haben sollte, um sich produktiv einbringen zu können – die ganze erste Hälfte ist, was man alles nicht braucht. (Kein Link hier, weil es nach fünf Jahren mittlerweile hoffnungslos veraltet ist, man kann es aber googeln.)

Dann ist Twitter leider so geworden, wie es geworden ist, die besten von uns sind nicht mehr da und es ist schwierig, den Nutzen zu erklären, wenn die Kommunikation des US-Präsidenten dort den Ton angibt. Also was jetzt? Enterprise Social Networks? Ja gerne, aber leider nicht als freie Beraterin. Die Probleme, die ich lösen konnte, waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als lösbar erkannt. Wie, die Kultur in einem neuen Online-Raum, den man gerade programmiert hat, kann und muss man bewusst gestalten und pflegen, damit die Menschen ihn auch nutzen? Das weiß heute keiner mehr. Neue Plattformen werden nicht genutzt, egal, das ist halt so, “die sind noch nicht so weit.”

Dazu kam, dass diese Spezialisierung sich nicht einfach beschreiben ließ. Wir haben nicht genug daran gearbeitet, die verschiedenen Gebiete von “digital” zu definieren und gegeneinander abzugrenzen. Schade.

Dann kam Brexit, dann kam unser Umzug zurück nach Deutschland, dann war ich wieder auf der Suche, um Menschen mit ähnlichen Werten und Interessen zu finden, dann kam erst einmal eine ganze Weile gar nichts. 

Aber vielleicht war diese ganze Weile sehr nützlich. Ich habe eine ganz grundlegende Annahme korrigiert. Ich hatte wirklich geglaubt, dass junge Menschen die Grundkonzepte einer modernen Arbeitsweise eigentlich kennen, obwohl sie vielleicht in ihren Organisationen aus verschiedenen Gründen keine Anwendung finden. Wir sind halt noch nicht so weit, etc. Das stimmt aber nicht. Auf Stichwörter wie Transparenz, User Experience usw reagieren auch junge, sehr gebildete Menschen nicht mit “ja, das ist moderne Organisationskultur” und “so sollten wir eigentlich arbeiten, obwohl wir es halt jetzt noch nicht tun”. 

So, und jetzt sind es drei Monate, seitdem wir aus der Klink entlassen wurden. Ich habe mit dieser Erkenntnis mein ganzes altes Konzept (und meine alte Website, die ich seit über 10 Jahren hatte) verworfen. Bis vor ein paar Tagen hatte ich noch das Problem, dass ich nicht wirklich etwas Neues aufbauen konnte, weil diese Konzepte und Wertigkeiten nirgendwo greifbar waren, außer auf englischsprachigen Websites. 

Durch das Teaching Public Service in the Digital Age sind sie das jetzt.

Die Kunst

Ausschnitte von Gemälden aus der digitalen Kollektion des Städelmuseums, Frankfurt. Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 4.0